Permakultur-Design für das Maitreya Healing Biotope

Vision und Kontext des Projektes

Im Jahr 2021 übernahm die Gemeinschaft von Maitreya die Verantwortung für ein etwa 40 Hektar großes Grundstück im Süden Spaniens mit der Intention, ein autarkes Heilzentrum zu schaffen, das spirituelle Praxis und regenerative Landwirtschaft miteinander verbindet. Die geplante Angebotspalette reichte von Yoga-Retreats, Pflanzenmedizin-Zeremonien, Klangreisen und Visionssuchen bis zu Kursen zu Permakultur und Human Design. Parallel dazu sollte das Land als Produktionsstätte für hochwertige, gesunde und nährstoffreiche Lebensmittel dienen – für die Gemeinschaft selbst sowie für lokale und internationale Märkte.

Die Gemeinschaft bestand zu Beginn aus fünf bis sechs ständigen Bewohnern, ergänzt durch temporäre Besucher: Freiwillige, Gäste, Kursteilnehmer. Die langfristige Vision reichte jedoch weit darüber hinaus: Festivals, Ökotourismus, die Entwicklung eines Ökodorfs mit pädagogischen Angeboten und einem alternativen Schulkonzept.

Standort und Klima

Puerto Lumbreras, Murcia (Spanien)

22 Hektar

Köppen-Geiger-Klassifikation: BSk
USDA Plant Hardiness Zone: 9a

Mittlerer Jahresniederschlag:
376 mm

Satellitenaufnahme des Projektgebietes zur Zeit der Ausarbeitung des Permakultur-Design im Herbst 2021. Auffallend sind der monotone Aufbau der Mandelplantage und die spärliche Vegetation vor dem Hintergrund des unbedeckten, steinigen Bodens.

Weniger als 400 mm Niederschlag im Jahr, verteilt auf wenige, aber intensive Regenereignisse, bedeutet lange Trockenperioden und sintflutartige Niederschlagsereignisse. Das semi-aride Klima Südspaniens ist geprägt von Extremen – Dürren wechseln sich mit Überschwemmungen ab, starke Sonneneinstrahlung trifft auf gelegentliche Starkwinde. Für ein gesundes, intaktes Ökosystem sind solche Bedingungen herausfordernd, aber handhabbar. Für ein stark beanspruchtes System jedoch werden sie zur existenziellen Bedrohung, weswegen weite Teile Südspaniens heute von Desertifikation bedroht sind. So liegt nur etwa 100 km südwestlich Cabo de Gata, der trockenste Ort in ganz Europa, erstaunlicherweise in direkter Nachbarschaft zu Almeria, einem der wichtigsten Zentren für den Gemüseanbau in Europa.

Der Zustand des Landes

Zum Zeitpunkt der Übernahme durch Maitreya war das Grundstück von jahrzehntelanger intensiver Landwirtschaft gezeichnet. Der Großteil der Fläche war typisch für die Region mit Mandelbäumen in Monokultur bepflanzt. Die konventionellen Bewirtschaftungsmethoden, vor allem die regelmäßige mechanische Bodenbearbeitung, hatten den Boden stark in Mitleidenschaft gezogen. Der Oberboden bestand nur aus einer dünnen Schicht schweren Bodens mit hohem Tonanteil und minimaler organischer Substanz. Infolge der mechanischen Bodenbearbeitung war der Boden darüber hinaus mit Bruchstücken aus dem darunter liegenden Schiefergrundgestein vermischt. Normalerweise ist ein gesunder Boden dazu in der Lage Schwankungen auszugleichen, indem er pH-Werte puffert oder gespeichertes Wasser und Nährstoffe beispielsweise in Trockenzeiten abgibt. Ohne die organische Substanz konnte der Boden seiner Pufferfunktion jedoch nicht mehr nachkommen. Der Boden konnte kaum Wasser aufnehmen oder Nährstoffe speichern und neigte zur Verdichtung und Verkrustung.

Die teilweise steilen Hanglagen des Grundstücks zeigten die Konsequenzen in drastischer Form. Saisonale Starkregenereignisse – in dieser Region nicht ungewöhnlich – führen zu massivem Oberflächenabfluss und hinterlassen mitunter tiefe Erosionsrinnen. Das Wasser kann nicht versickern, sondern fließt ungebremst die Hänge hinunter und spült dabei die einstige Fruchtbarkeit des Landes in Form von Boden und Nährstoffen davon. Die Landschaft wirkte monoton, leblos und erschöpft. Kaum Vielfalt, kaum Bodenbedeckung zwischen den Baumreihen, kaum Anzeichen für ein funktionierendes Bodenleben. Die natürliche Selbstregulation war stark beeinträchtigt und das Grundstück ökologisch betrachtet in einem Zustand fortgeschrittener Degradation.

Regeneration als zentrales Werkzeug

Vor diesem Hintergrund war die Regeneration des Landes nicht nur wünschenswert, sondern von existenzieller Bedeutung. Ohne funktionierende Böden und ausreichend Wasser wäre das Land nicht in der Lage, die Vision von Maitreya nachhaltig zu tragen. Genau hier lag jedoch auch die Chance: Degradation ist kein irreversibler Zustand, sondern ein Prozess, der durch die Zusammenarbeit mit der Natur umgekehrt werden kann. Das Projekt bot folglich das Potenzial, weit über Maitreya hinaus zu wirken: als Modellbauernhof für regenerative Praktiken und Lernort für lokale Landwirte sowie als Zeugnis für das Potenzial zur gegenseitigen Unterstützung in den Heilungsprozessen von Mensch und Natur.

Zusammenfassung der Ausgangslage

  • Vision: Aufbau eines autarken Heilzentrums und Gemeinschaft mit Schwerpunkt auf spiritueller Praxis, Bildung und regenerativer Landwirtschaft
  • Realität: 40 Hektar degradiertes Land mit ausgelaugten Böden, aktiver Erosion und extremem Klima
  • Kernherausforderung: Wie kann ein dysfunktionales Ökosystem so wiederhergestellt werden, dass es die Bedürfnisse einer wachsenden Gemeinschaft erfüllt und als Modell für regenerative Landnutzung in semi-ariden Regionen dient?

Die Antwort liegt in einem Design, das die gegebenen Umstände anerkennt und nutzt, um die Natur bei ihrer Regeneration zu unterstützen.

Konzeption für die Umgestaltung

Um trotz der schwierigen Standortbedingungen eine blühende Gemeinschaft aufzubauen und dieser zu ermöglichen, ihre Mission zu erfüllen, sollte für Maitreya ein Permakultur-Design entwickelt werden. Das Hauptanliegen dieses Designs war die Verbindung der gemeinschaftlichen Vision mit den Erfordernissen des Landes. Dafür wurde ein Gebiet von etwa 22 Hektar mit direktem Bezug zu den bereits existierenden Hauptgebäuden ausgewählt. Land und Menschen sollten während des gesamten Designprozesses unter Berücksichtigung der verfügbaren Ressourcen gleichberechtigt behandelt werden. Daher zielte das Design darauf ab, die Umkehrung der gegenwärtigen Degradation mit dem gemeinsam erarbeiteten Gestaltungsanliegen zu verbinden:

„Die Schaffung eines langfristig funktionierenden, gesundheitsfördernden, vielfältigen, produktiven, lebendigen und ästhetischen Ökosystems, welches die Selbstversorgung und Autonomie der Gemeinschaft sowie die Förderung der emotionalen, physischen, psychischen und spirituellen Heilung ihrer Bewohner gewährleistet.“

Größte Herausforderungen für die Gestaltung

Das vorherrschende semi-aride Klima und damit verbundene extreme Wetterbedingungen in Form von Überschwemmungen und Dürren machen die Bedingungen in Südspanien generell herausfordernd. Aufgrund der geschädigten Böden war die Situation jedoch noch heikler, da die Selbstregulierungsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit der Böden stark eingeschränkt war. Es war daher zu erwarten, dass die stark erodierten, geschädigten und unfruchtbaren schweren Böden das größte Hindernis für eine florierende Gemeinschaft darstellen würden. Der Boden wies eine geringe Fruchtbarkeit auf und war bei Trockenheit steinhart. Bei Regen konnte das Wasser kaum in den Boden infiltrieren, was zu Oberflächenabfluss und Verdunstung an der Oberfläche führte. Darüber hinaus würde der flache Boden vermutlich das Tiefenwachstum von Pflanzenwurzeln und Erdarbeiten erschweren, mit Auswirkungen auf deren Kosten und Erfolgswahrscheinlichkeiten. Zudem bestand an steilen Hängen ein latentes Risiko für Erdrutsche, da die Tonschicht auf dem glatten Schiefer bei Sättigung ins Gleiten geraten könnte.

Infolgedessen war anzunehmen, dass zu Beginn des Umgestaltungsprozesses ein hoher Bedarf an menschlicher Pflege bestehen würde, da Neuanpflanzungen bis zu ihrer Etablierung besondere Aufmerksamkeit erfordern. Dies gilt insbesondere für die Bewässerung. Der Umfang der Arbeiten und die zu bewältigende Fläche stellen eine enorme logistische Herausforderung für eine kleine Gemeinschaft dar.

Das Problem ist die Lösung

Eine sorgfältige Langzeitbeobachtung sollte das Fundament für den Regenerationsprozess liefern, um sich auf die spezifischen Rhythmen des Landes einzustimmen – auch über diesen Gestaltungsprozess hinaus. Die natürlichen Grenzen sollten dabei nicht als Hindernis angesehen werden, sondern als gestalterischer Rahmen. Die anschließende Gestaltung und Interaktion mit dem Land zielte darauf ab, vermeintlichen Probleme in Lösungen umzuwandeln:

1. Renaturierungsprojekte sind im Trend:
Die Vision von Maitreya ist inspirierend und der schlechte Zustand des Landes kann ein entscheidender Faktor bei der Verwirklichung sein. In Zeiten des Klimawandels und Umweltschutzes genießen Projekte mit entsprechendem Umweltcharakter teilweise große Aufmerksamkeit und werden unter Umständen bereitwillig unterstützt. Entsprechend kommuniziert lässt sich der degradierte Zustand des Landes aktiv nutzen, um Aufmerksamkeit zu generieren und finanzielle Unterstützung sowie ehrenamtliches Engagement (Freiwillige/Gäste) anzuziehen.

2. Destruktive Energien produktiv nutzen:
Anstatt Sonne, Wind und Starkregen aufgrund ihrer negativen Auswirkungen zu verdammen, empfiehlt es sich, die zugrundeliegende Energie als Ressource für den Regenerationsprozess zu nutzen. Neben der Nutzung von Sonnen- und Windenergie zur Stromproduktion, können Erosionsrinnen beispielsweise als Ausgangspunkt für die Etablierung standortangepasster Vegetation dienen. Diese sind ein deutliches Indiz für die Akkumulation und Fließwege von Wasser, der vermutlich wichtigsten Ressource für Pflanzen. Durch behutsam platzierte Erdarbeiten, kann dieses Wasser aufgefangen und in den Boden infiltriert werden, wo es den Pflanzen langfristig zur Verfügung steht. So wird aus einer zerstörerischen Kraft eine gezielte passive Bewässerung von Vegetationsinseln. Ausgehend von solchen Keimzellen kann die Natur sich selbst regenerieren, während der Aufwand für die Gemeinschaft überschaubar bleibt. Die im Laufe der Zeit durch Auswaschung entstandenen Tonablagerungen können wiederum vor Ort als Baumaterial für Strukturen oder zur Abdichtung von Wasserspeichern genutzt werden.

3. Monokultur als Wiege der Polykultur:
Obwohl als Monokultur angelegt, bietet die Mandelplantage großes Potenzial. Abgesehen davon, dass die Bäume bereits einen Ertrag produzieren, kann dieser durch die Veredelung mit anderen Prunus-Arten vergleichsweise schnell diversifiziert werden, ohne auf das Wachstum neuer Kulturen warten zu müssen. Die bestehenden Bäumen spenden neuen Pflanzungen außerdem Schatten und liefern organisches Material, während die weiten Abstände dazwischen Platz für Erdarbeiten bieten. Infolgedessen können besonders steile Hanglagen aus der Produktion genommen und sukzessive aufgeforstet werden. So wird eine aufwändige, teilweise sogar gefährliche Bewirtschaftung gegen wertvolle Wildniszonen und Bodenstabilisierung eingetauscht – was die Arbeitslast für die Gemeinschaft spürbar verringert.

Drei Kernstrategien für das Maitreya Healing Biotope

In der Permakultur wird stets nach den Hebeln gesucht, mit denen bei minimalem Aufwand die maximale Wirkung erzielt wird. Für das Maitreya Healing Biotope bilden drei Kernstrategien das Rückgrat des Designs. Um die Gesamtsituation nachhaltig zu verbessern sind diese Strategien so gewählt, dass sie sich gegenseitig verstärken und den natürlichen Regenerationsprozess unterstützen. Damit soll die Grundlage geschaffen werden, um die von der Gemeinschaft gewünschten spezifischen Elemente und Qualitäten realisieren zu können und letztendlich die Bedürfnisse aller Nutzer vor Ort zu erfüllen.

1. Bodenaufbau

Die Struktur humusreicher Böden erhöht die Infiltrationsfähigkeit, sowie die Wasser- und Nährstoffspeicherkapazität entscheidend. Das Ergebnis sind Bodenfruchtbarkeit und ein vermindertes Risiko für Erosionsereignisse, während die Mächtigkeit der Oberbodenschicht zunimmt. Folgende Maßnahmen sind darauf ausgerichtet, der aktuellen Bodendegradation durch die Steigerung des Gehalts an organischer Substanz entgegenzuwirken, die Bodenqualität zu verbessern und wichtige Funktionen des Bodens wiederherzustellen:

Speicherkammer einer Komposttoilette in Maitreya.
  • Einsatz von Gründüngungs- und Pionierpflanzen:
    Ein- und mehrjährige Vegetation bietet sich an, um organisches Material vor Ort zu produzieren. Neben dem Ertrag im klassischen Sinne, ist dabei auf stickstoffbindende oder biomasseproduzierende Qualitäten zu achten. Sogenannte Pionierpflanzen sind robust und an herausfordernde Standortbedingungen angepasst. Viele können beschnitten und das Material vor Ort als Mulch verwendet werden. Die Durchwurzelung und Bedeckung des Bodens fördert sowohl Bodenleben als auch organische Substanz langfristig.
  • Kompostierung:
    Insbesondere im Gartenkontext können verschiedene Formen der Kompostherstellung (z.B. konventionelle Kompostierung, Wurmkompost oder Komposttoiletten) nährstoffreichen Humus liefern.
  • Aufbau von Waldflächen in Hanglagen:
    Da steile Hänge einen großen Teil des Grundstückes einnehmen, bietet es sich an, diese zum Zwecke der Bodenbildung und -stabilisation aus der Produktion zu nehmen und mit tiefwurzelnden Baumarten zu bestocken. Die Durchwurzelung bricht das Schiefergestein mechanisch und wirkt sich langfristig positiv auf die Bodenqualität, die Infiltrationsfähigkeit und die Hangstabilität aus. Nähstoffe und Samen werden sich außerdem hangabwärts verteilen und die selbstständige Expansion des Systems unterstützen.

2. Wasserretention

Der Umgang mit Wasser erfordert besondere Aufmerksamkeit in semi-ariden Gebieten. Um die Verfügbarkeit von Wasser ganzjährig zu gewährleisten, ist der potenziell auftretende Überfluss bzw. Mangel an Niederschlägen auszugleichen. Folgende Maßnahmen sind darauf ausgerichtet, Wasser möglichst lange auf dem Grundstück zu halten und nutzbar zu machen:

Infiltrationsbecken zum Auffangen, Infiltrieren & Verteilen von Oberflächenabfluss von einer Straße.
  • Verlangsamen, verteilen und versickern:
    Durch Wasserretention soll oberflächlich abfließendes Wasser verlangsamt, verteilt und versickert werden. Entsprechende Erdarbeiten sollten immer mit Vegetation bepflanzt werden! Ein Wasserlauf entlang der Grundstücksgrenze ermöglicht die behutsame Umleitung und Speicherung von Hochwasser zur Schaffung von Feuchtgebieten entlang der Ufer.
  • Vermeidung von Verdunstung:
    Oberflächenabfluss von versiegelten Flächen soll zur gezielten Nutzung in Tanks oder zur passiven Bewässerung im Boden gespeichert werden. Dort ist es vor Verdunstung besser geschützt. Offene Gewässer sind aufgrund ihrer Anfälligkeit für Verdunstung zu vermieden. Kleine, strategisch platzierte Gewässer und Feuchtgebiete können durch Beschattung und Windschutz mithilfe von Vegetation geschützt werden.
  • Einsparung:
    Durch die Bewässerung mit Grauwasser oder die ausschließliche Nutzung von Komposttoiletten, soll Wasser mehrfach genutzt und damit der Wasserverbrauch reduziert werden.

3. Diversifizierung

Die Vielfalt innerhalb eines Systems ist entscheidend für dessen Widerstandskraft und Fähigkeit zur Selbstregulierung. Beide steigen mit der Vielfalt der Elemente innerhalb des Systems sowie mit der Qualität und Quantität ihrer Beziehungen untereinander. Folgende Maßnahmen sollen die Vielfalt in Bezug auf Strukturen, Biodiversität, Einkommensquellen und Erträge erhöhen:

Nach den Frühlingsniederschlägen zeigt das Land seine Schönheit und Vielfalt.
  • Strukturelle und ökologische Vielfalt
    Verschiedene Strukturen (z.B. Steinmauern, Wälder, Senken) bieten unterschiedliche Standortbedingungen und Mikroklimata. Diese können für den Anbau einer Vielzahl verschiedener Kulturen oder andere Zwecke genutzt werden. In jedem Fall fördern sie jedoch die natürliche Biodiversität, da sie lebensnotwendige Nischen für wildlebende Arten bieten.
  • Ökonomische Vielfalt:
    Das Risiko von Ertrags- oder Einkommensausfällen kann durch die Einführung neuer Wirtschaftszweige (z.B. Ökotourismus, Retreat-Angebote) und Kulturen mit verschiedenen Erntezeitpunkten und Produkten reduziert werden. Gleichzeitig können die Qualitäten der jeweiligen Jahreszeit optimal genutzt werden. Eine vergleichsweise schnelle Diversifizierung von Erträgen kann durch die Veredelung der bestehenden Mandelbäume mit weiteren Prunus-Arten erreicht werden.
  • Wildniszonen:
    Bestehende Wildnisgebiete sind nach Möglichkeit zu erhalten. Ungenutzte oder unwirtschaftliche Flächen, bietet sich für die Schaffung neuer Wildniszonen an.

Fazit und ergänzende Punkte für das finale Design

Die drei Säulen Bodenbildung, Wasserspeicherung und Diversifizierung bilden die Kernstrategie als Reaktion auf die Gestaltungsanforderungen. Obwohl der Schwerpunkt auf der Renaturierung des Landes zu liegen scheint, wird automatisch ein Großteil der Bedürfnisse der Gemeinschaft von Maitreya abgedeckt oder die erforderlichen Grundlagen für deren Befriedigung geschaffen. Die Strategie dient als Grundlage für die Umsetzung der gewünschten spezifischeren Qualitäten oder Elemente und sollte dabei immer mitbedacht werden. Um nur einige Wünsche zu nennen, gehören dazu Einrichtungen für Yoga und Schwimmen, Gemeinschafts-, Kreativitäts- und Ruhebereiche, Außenduschen, zusätzliche Unterkünfte in Zelten und Hütten oder Einrichtungen zur Verarbeitung von Erträgen und zur Herstellung von Verkaufsprodukten.

Abgesehen davon soll das entstehende Design die Qualität der Straßen verbessern oder ihren Verlauf in der Landschaft anpassen und bewusst inszenierte Ausblicke schaffen. Das Risiko von Waldbränden soll durch die Anlage von Barrieren, die Brandschneisen mit feuerresistenten Pflanzen kombinieren, reduziert werden. Bezüglich der Umsetzung und Pflege ist auf ein schonendes, regeneratives und sukzessives Vorgehen zu achten, um die Bewirtschaftbarkeit zu gewährleisten und die gegebenen Standortbedingungen einbeziehen zu können.

Erläuterungen zum finalen Design

Einleitung

Das vorliegende Permakultur-Design wurde im Herbst 2021 für die Gemeinschaft von Maitreya entwickelt. Es beschreibt die Umgestaltung eines konventionellen Landwirtschaftsbetriebs hin zu einer gemeinschaftlich getragenen, regenerativen Mischkultur mit Bildungs- und Heilungsangeboten. Grundlage waren eine umfangreiche Standortanalyse, mehrwöchige Beobachtung vor Ort sowie die zum damaligen Zeitpunkt verfügbaren Informationen. Der Entwurf folgt einem systemischen Designansatz, der ökologische Regeneration mit den Bedürfnissen einer wachsenden Gemeinschaft verbindet.

Nach der Etablierung soll das vorgeschlagene Design:

  • die Selbstversorgung und das Wohlergehen der Nutzer deutlich stärken,
  • die Bewirtschaftbarkeit für eine kleine Gemeinschaft sicherstellen,
  • die ökonomische & ökologische Resilienz erhöhen,
  • sowie Räume für Heilung, Begegnung, Bildung und Rückzug schaffen.

Einige Wünsche wurden nicht im Design verankert, wenn die Kosten‑Nutzen‑Verhältnisse ungünstig waren oder geeignetere Standorte außerhalb des Projektgebiets lagen. Wo immer möglich, wurden jedoch die Qualitäten hinter diesen Wünschen beachtet und integriert. Um die Durchführbarkeit zu sichern, setzt das Design auf eine schrittweise Umsetzung: Beobachten, kleine Eingriffe, Wirkung prüfen und dann erst den nächsten Schritt setzen oder skalieren. So bleibt das Projekt für die Gemeinschaft handhabbar und kann sich entsprechend der verfügbaren Ressourcen entwickeln. Teil der Gestaltungsarbeit war außerdem die Ausarbeitung möglicher Pflanzengemeinschaften und deren Platzierung im Gelände. Maitreya erhielt eine detaillierte Pflanzenliste, die standortangepasste Arten mit breitem Nutzungsspektrum enthält – von der Nahrungs- & Wertholzproduktion, über den Feuer- & Ersosionsschutz bis zur ästhetischen oder medizinischen Anwendbarkeit.

Finales Design für das Maitreya Healing Biotope.

Räumliche Qualitäten – Vom Muster zum Detail

Dem erarbeiteten Design liegt topografisch bedingt eine besondere räumliche Struktur zugrunde. Der zentral gelegene, von Südwest nach Nordost verlaufende, Höhenzug mit den Hauptgebäuden gliedert das Projektgebiet in ein nördliches und ein südliches Tal und verleitet dazu, beiden Tälern funktional eine eigene Schwerpunktsetzung zuzuordnen. Der Höhenzug wirkt dabei als Übergangszone, welche die Qualitäten beider Täler miteinander verbindet. Entsprechende Räume vereinen in sich Teile der Qualitäten angrenzender Systeme und stellen den Raum für gegenseitigen Austausch. Übertragen auf Maitreya bedeutet das, dass die dortigen Bewohner im Gegenzug für die Leitung von Energien und Austausch zwischen den beiden Tälern, in den gleichzeitigen Genuss der jeweiligen Qualitäten kommen.

Das nördliche Tal: Regeneration & Heilung

Die dominanten und schwer nutzbaren Hanglagen des nördlichen Tals laden dazu ein, sich der Renaturierung des Geländes dort in besonderer Weise zu widmen und die Heilung von Mensch und Natur in den Vordergrund zu stellen.

Regenwasser wird soweit möglich durch vernetzte Retentions- und Infiltrationselemente in der Landschaft gehalten. Anschließend steht es einer standortangepassten Bepflanzung im Kontext der sukzessiven Waldentwicklung zur Stabilisierung besonders steiler und erosionsgefährdeter Bereiche zur Verfügung. Diese werden dazu bewusst aus der Produktion genommen. Das reduziert nicht nur Risiken (Erosion, Unfälle, Aufwand), sondern schafft langfristig stabile Wildnis- und Pufferzonen. Das sukzessive Vorgehen erlaubt die Fortsetzung der Mandelernte als Einnahmequelle, bis sich die neuen und diversen Systeme in den Tallagen etabliert haben. Aufgrund der bereits vorhandenen und vergleichsweise leicht zu ergänzenden Beschattung durch Bäume oder andere Elemente, bietet das Tal die Möglichkeit, eine Abfolge von explizit gewünschten offenen Gewässern mit vorgelagerten Sedimentauffangbecken zu installieren. Durch Leitungen miteinander verbunden, können die jeweiligen Wasserstände angepasst und überschüssiges Wasser verteilt werden, um halb gefüllte Dämme und damit unnötige Verdunstungsfläche zu vermeiden. Der Wasserlauf an der östlichen Gebietsgrenze ermöglicht die behutsame Nutzung von Hochwasser und die Schaffung von Feuchtgebieten entlang der Ufer.

Inmitten dieser Regenerationsmaßnahmen, ist der Platz für die neue Infrastruktur und das Zentrum für die Heilungsarbeit von Maitreya vorgesehen. Die Lage steht symbolisch für den gemeinsamen Heilungsprozess von Mensch und Natur. Ein Netz aus Wegen und Pfaden ermöglicht nicht nur den Zugang zu den Regenerationsflächen für Arbeitszwecke, sondern kann in Zukunft von den Gästen zur Erkundung der Landschaft, für Spaziergänge in ruhiger Atmosphäre oder zum Rückzug in die Natur genutzt werden.

Das südliche Tal: Alltag & Produktivität

Während die Kernstrategien bezüglich Boden, Wasser und Vielfalt weiterhin eine zentrale Rolle spielen, ist die räumliche Organisation eher auf das tägliche Leben und die produktive Nutzung des Landes ausgerichtet. Eine vergleichsweise ebene Fläche bietet viel Raum für die Anlage von Gemüsegärten und der nötigen Infrastruktur zur Beherbergung von Gästen.

Neue Elemente wurden mit der Intention effizienter Arbeitsflüsse platziert und mit vorhandenen Strukturen verbunden, sodass sie zugleich mehrere Funktionen (Beschattung, Windschutz, Bewässerung, Biomasseproduktion, Kompostierung, Nahrungsmittelproduktion) erfüllen und wichtige Funktionen mehrfach abgedeckt werden. Zur Erschließung wichtiger und Entlastung sensibler Bereiche sowie aus Gründen des Erosionsschutzes sieht der Plan stellenweise eine neue Straßenführung vor. Gemeinschaftsflächen (Feuerstelle als sozialer Mittelpunkt, Outdoor-Küche, Essbereich, Unterkünfte, Campingplatz, Spielwiese) sind so platziert und gestaltet, dass sie Integration und Austausch fördern: gut erreichbar, respektvoll gegenüber Ruhebereichen, und eingebettet in schattige, attraktive Aufenthaltsräume. Kleine und große Lichtungen bieten Raum für Veranstaltungen, wie Festivals oder Feste. Abschließend erhöht ein Wind- und Brandschutzstreifen am östlichen Grundstücksrand die Ruhe und Sicherheit auf der Ebene.

Über dieses Design

Das Design ist als Orientierungsrahmen und Möglichkeitsraum zu verstehen – ein Masterplan, der sich während der Umsetzung durch neue Beobachtungen und Anpassungen weiterentwickelt. Entsprechende Anpassungen sowie die konkrete Realisierung bleiben Aufgabe der Gemeinschaft von Maitreya, wobei Gaia Guidance bei Bedarf verfügbar bleibt.

Das Konzept kann im Rahmen der Permakultur-Ethik frei genutzt und geteilt werden. Die zugrunde liegenden systemischen Prinzipien sind auf andere semi-aride Regionen übertragbar – eine direkte Übernahme anderer Elemente erfordert jedoch Anpassungen an die spezifischen lokalen Bedingungen.